Die ayurvedische Küche Teil 1

Die ayurvedische Küche Teil 1

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Ayurveda Ahara Paddhati. Was uns in unserem Leben am ‚Laufen‘ hält ist die Ernährung. Im Ayurveda wird das Essen Ahara genannt. Ahara bedeutet so viel wie das, was weiterfliesst und die Körperfunktionen aufrecht erhält. Es beeinflusst das Gleichgewicht zwischen Vata, Pitta, Kapha im Körper sowie Satva, Rajas und Tamas des Geistes.

Ayurveda vermittelt ein Mantra für gute Gesundheit „Hita Bhuk, Mita Bhuk, Shuchi Bhuk“. Es bedeutet, dass Nahrungsmittel, die einem Menschen zuträglich sind, in der richtigen Menge und auf entsprechende Weise gewonnen und verarbeitet, grosse Gesundheit schenken.

Die Geschmacksrichtungen

Wenn es um den GESCHMACK geht, gibt es im Ayurveda sechs verschiedene Arten von Geschmacksrichtungen. Die Shad Rasas:

  • Madhura – süss,
  • Amla – sauer,
  • Lavana – salzig,
  • Katu – scharf,
  • Tikta – bitter,
  • Kashaya – zusammenziehend.

Jedes Dosha wird von diesen Rasas entweder genährt oder besänftigt. Eine gesunde Mahlzeit ist diejenige, die alle 6 Geschmacksrichtungen umfasst.

Die Qualität von Lebensmitteln

Die Qualität von Lebensmitteln hängt von 8 Faktoren ab. Diese ergeben die Tridoshas von Körper und Geist:

  1. Prakriti – Art der Nahrung
  2. Karana – Methode der Verarbeitung
  3. Samyoga – Kombination von Nahrungsmitteln
  4. Raschi – Menge
  5. Desha – Geographische Herkunft der Nahrungsmittel
  6. Kala – Zeit des Verbrauchs
  7. Upayoga Samstha – Ernährungsregeln
  8. Upayokta – Individuelle Personalisierung des Essens

In diesem Kapitel werden wir die Ernährungslehre für Vata Prakriti betrachten, also die Ernährungsregeln, die das Vata-Dosha besänftigen.
Es liegt nahe, dass Vata das kraftvollste der drei Doshas ist. Pitta und Kapha lahmen ohne die Unterstützung des Vata-Dosha. Darüber hinaus können sie sich selbst nicht in Gesundheit oder Krankheit manifestieren.

Lass uns kurz auf das Was, Wo und Wie des Vata-Doshas eingehen. Vata ist trocken, agil, kalt, hart, zierlich und beweglich. Es befindet sich hauptsächlich im unteren Verdauungstrakt, in den Flanken des Unterleibs, den Knochen, dem Gehörgang, der gesamten neuronalen Aktivität und der Haut. Wir können ebenso festhalten, dass überall dort im Körper, wo es Funktionalität, Aktivität und den Charme des Lebens gibt, Vata vorhanden ist. Es ist extrem einfach, das Vata-Dosha im Körper zu verschlimmern, wobei die Wiederherstellung am schwierigsten ist.

Vata Dosha besänftigen

Besänftigung des Vata Doshas

Lass uns mit der kulinarischen Kunst der Besänftigung des Vata Doshas beginnen.

Nun, da wir die Qualitäten des Vata kennen, ist es offensichtlich, dass es durch ähnliche Eigenschaften eher verschlechtert und durch gegensätzliche Qualitäten besänftigt werden kann. Die Zunahme von Vata im Körper wird hauptsächlich durch ausgedehnte und anstrengende Aktivitäten sowie die Aufnahme von scharfem, salzigem und trockenem Essen verursacht.

Süsse und saure Eigenschaften der Nahrungsmittel führen sofort zu einem Rückgang des Vata. Auch für Vata-Prakriti-Menschen sind diese am geeignetsten. Wie bereits angekündigt, werden wir uns nun den 8 Faktoren einer Ernährung für Vata Dosha oder Vata Prakriti Volk widmen.

  1. Prakriti – Die Natur von Vata-Hara-Nahrungsmitteln

  • Der Geschmack kann süss oder sauer sein.
  • Es sollte einen öligen Bestandteil haben.
  • Warme oder heisse Speisen sollten bevorzugt werden.
  • Trockenes und rohes Essen mit Ausnahme von Früchten und Nüssen sollte vermieden werden.
  • Beispiele: Gekochtes Gemüse, Früchte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Butter, Ghee, Milch, Joghurt.
  • Gewürze wie frischer Ingwer, Basilikum, Koriander.
  • Scharfe Suppen, Brühen.
  1. Karana – Die Methode der Verarbeitung

  • Bei der Zubereitung von Vata-Rezepten ist es besonders wichtig, das Gemüse und Grünzeug zu kochen sowie die Gewürze zu braten. bei einer optimalen Zubereitung wird das rohe Essen zuerst mit etwas Fett trocken angebraten. Dann wird etwas Wasser hinzugefügt und das Ganze in einer geschlossenen Pfanne/Topf gekocht. So wird das Gemüse mit Öl überzogen und verliert seine flüchtigen Nährstoffe nicht. Das Gemüse sollte allerdings nicht zu lange gekocht werden, da es sonst seinen Nährwert verliert. Es sollte jedoch auch darauf geachtet werden, dass es nicht zu wenig gekocht wird, da es sonst den Gehalt an Giftstoffen im Körper erhöht. Am besten lässt sich feststellen, ob das Gemüse gar ist, indem Farbe und Weichheit geprüft werden. Wird ein Löffel hinein gesteckt, zerfällt es.
  • Wenn die Gewürze frittiert werden, geben sie ihren Geschmack an das Öl ab und verlieren an Schärfe, was das Vata-Dosha verstärkt.
  • Zitrone wird immer am Ende der Zubereitung kurz vor dem Servieren hinzugefügt, da Hitze das Vitamin C zerstört.
  • Eiweisshaltige Nahrungsmittel wie ganze Bohnen, Hülsenfrüchte werden am besten über Nacht in Wasser eingeweicht und dann unter Druck gekocht. Es sind im Grunde trockene Samen und ihre Vitalität kommt erst dann zum Tragen, wenn sie Wasser aufnehmen. Auch Sprossen sind erst nach dem Einweichen in Wasser voller Leben. Zudem haben sie eine dicke Haut und die Zeit zum Kochen wäre zu lang, da sie beginnen würden durch die anhaltende Hitze ihre Vitamine und Mineralien zu verlieren. Stattdessen sollten sie eingeweicht und unter Druck gekocht werden, um die Kochzeit zu verkürzen und sie perfekt zuzubereiten.
  • Das Backen sollte sehr sorgfältig durchgeführt werden und ist am besten zu vermeiden. Frittieren wäre hier eine gelegentliche Option.
  • Honig und Joghurt sollte niemals erhitzt werden, denn es macht sie giftig, was schädliche Auswirkungen auf den Körper hat. Du kannst sie lediglich in warme Speisen geben. Tatsächlich ist Honig nicht förderlich für Vata Dosha.
  • Ballaststoffe wie Grünes Gemüse und faserhaltige Nahrung sind ein grosses „NEIN“ in dieser Kategorie. Grüne Lebensmittel, die auf die oben genannte Weise gekocht wurden, sind jedoch möglich.
  • Verarbeitete, konservierte Lebensmittel, gefrorene Desserts mit Konservierungsstoffen sind völlig ungeeignet.
  • Alles, was die Hirnaktivität anregt, wie Kaffee, Schokolade, Alkohol, Rauchen etc. sollte ebenfalls vermieden werden.
  1. Samyoga – Die Zusammenstellung von Nahrungsmitteln.

Bestimmte Kombinationen von Nahrungsmitteln sind von Natur aus besonders schädlich. Sie wirken in vielfältiger Weise toxisch auf unser System.

  1. Milch ist unverträglich mit Fisch, Salz, Melonen, sauren Früchten, Gemüse
  2. Die meisten Früchte ausser Banane und Apfel sind absolut unverträglich mit Joghurt
  3. Heisse Getränke aus Früchten
  4. Ghee und Öl kombiniert!
  5. Milch und Joghurt
  6. Tee und Milch – entgegen den Glaubenssätzen aus England

 

  1. Rashi – Die Menge

Das Beste an Vata-lindernden Nahrungsmitteln ist, dass so viel davon gegessen werden kann, wie gewünscht. Allerdings gilt: Niemals essen, bevor die vorherige Mahlzeit verdaut ist. Niemals weniger essen.

  1. Desha – Die Geographische Herkunft der Nahrung

Lebensmittel, die aus wasserreichen Regionen, wie z.B. Flussschlamm gewonnen werden, sind vorzuziehen. Vielmehr sollten diejenigen, die aus trockenen und unfruchtbaren Gebieten stammen, vermieden werden. Eine Ausnahme dieser Regel ist die Dattelfrucht.

  1. Kala – Zeitpunkt des Verzehrs

Zu Beginn des Tages und nach Sonnenuntergang können so viel Vata-lindernde Nahrungsmittel aufgenommen werden, wie gewünscht, denn das Ende des Tages (Sonnenuntergang) sowie die Nacht (vor Sonnenaufgang) sind vorherrschende Vata-Perioden.

  1. Upayoga Samstha – Allgemeine Grundregeln

    1. Beginne und beende deinen Tag mit einer Tasse abgekochtem Wasser.
    2. Verwende eine Feuchtigkeitspflege auf Lipidbasis
    3. Halte dein Frühstück auf Protein- und Fettbasis.
    4. Verwende grosszügig Ghee und Butter.
    5. Vermeide es, während der Mahlzeit ängstlich oder abgelenkt zu sein.
  1. Upayokta – Die individuelle Anpassung der Ernährung

Hier geht es darum, das Essen schmackhaft zu machen und individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dieser Punkt ist genauso wichtig wie jeder andere Faktor. Wie bereits erwähnt, wird Essen, das mit Zufriedenheit eingenommen wird, vollständig assimiliert und gibt keinen Raum für Mangelernährung.

Nicht zu empfehlen für eine Vata-Menschen:

  1. Ungekochtes Grüngemüse, Kartoffeln, Erbsen, Honig, stärkehaltige Nahrungsmittel
  2. Kälte und Wind ausgesetzt sein
  3. Essen bei Durst
  4. Wasser trinken bei Hunger
  5. Lange Tauchbäder
  6. Übermässiger Gewürzgebrauch

Zu empfehlen für Vata-Menschen:

  1. Abhyanga snaana – mindestens einmal pro Woche von Kopf bis Fuss
    Ganzkörper Ölmassage mit einem Vata reduzierenden Ayurveda Massageöl
  2. Yogasana, Pranayama, Meditation
  3. Jeden Tag beruhigende Musik hören
  4. Jeden Abend Feuchtigkeit spenden

Vata-Rezepte

Ich habe zwei wichtige Rezepte für die Besänftigung des Vata. Sie unterstützen den Stressabbau von Körper und Geist, während sie sofortige Energie liefern. Die Vata-Rezepte sind von Natur aus reich an Nährstoffen und Antioxidantien.

Einfacher gelber Linsen-Reis-Brei – Pongal – Khichdi

Rezept Vata reduzierendKoche gelbe Linsen und Reis zusammen in einem Topf, bis sie ganz matschig sind, wie die Konsistenz eines Kuchenteigs. 2 Minuten lang durchrühren und beiseite stellen. 2 Esslöffel Öl/Ghee in einem grossen Wok erhitzen und einen Teelöffel Senf, Kreuzkümmel, geriebenen Ingwer, schwarzes Pfefferpulver und ein paar Cashewnüsse hinzufügen. Anbraten, bis die Cashewnüsse goldbraun werden. Nun den Linsen-Reis-Matsch hinzufügen und gut vermischen. Nach Bedarf Salz hinzufügen, mit Zitronensaft und Koriander/Koriander garnieren uns servieren.

Dieses Rezept enthält gelbe Linsen, die von Natur aus kühlend wirken, gleichzeitig als hervorragender Energielieferant dienen. Ingwer und schwarzer Pfeffer, in Öl geröstet, verlieren ihre Schärfe und geben ein angenehmes Aroma. Senf und Kreuzkümmel an sich sind besänftigen das Vata.

 

 

 

Sanfter Kokosdrink – Hemakirana Panaka

Sanftes Kokosnusswasser wird mit einem Schuss Zitronensaft und Zucker vermischt, gut durchgeschüttelt und getrunken. Es ist der beste Erfrischungsdrink für den Sommer. Allerdings ist das Getränk weniger leicht verdaulich und sollte deshalb nicht nach Sonnenuntergang getrunken werden.

Damit sind wir am Ende dieses Kapitels angekommen.

Bis bald mit einem weiteren Themenbereich.

||Sarve Janah Sukhino Bhavantu ||

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