Entstehungsprozess einer Krankheit

Entstehungsprozess einer Krankheit

Der Ayurveda lehrt, dass Krankheit die Folge eines langen Prozesses ist. Dieser kann in jedem seiner Stadien beeinflusst werden, sofern er ernst- und wahrgenommen wird. Wir gehen in diesem Beitrag auf den Entstehungsprozes einer Krankheit detailliert ein.

Einen Anfang nimmt der Krankheitsprozess stets mit Störungen des Gleichgewichts der individuellen Konstitution. Temporäre Ungleichgewichtszustände sind übrigens vollkommen normal. Problematisch wird es erst, wenn das Übermass an Vata, Pitta oder Kapha nicht ausgeglichen wird.

Akkumulation, Provokation (Entwicklung eines Übermasses), Befriedung – dies sind die drei Phasen der Veränderungszyklen. Diese können nicht beeinflusst werden, wohl aber können Sie Ihr Verhalten anpassen.

Ein Pitta-Beispiel: Im späten Frühjahr beginnt das Dosha, sich anzusammeln. Während der heissen Sommermonate erreicht es das Übermass und befriedigt sich automatisch im Herbst, wenn es kühler wird. Fände diese Befriedung nicht statt und das Übermass würde weiter bestehen, käme es zu weiteren Veränderungen, die schliesslich zum Ausbruch einer Krankheit führten.

Ein Ungleichgewicht bei Vata-Menschen entsteht beispielsweise im Herbst, wenn es kühl, trocken und windig wird. Feuchte und wärmende Speisen unterstützen die Wiederherstellung des Gleichgewichts. Gleiches gilt für wärmende Kleidung.

Bleibt das Vata-Übermass hingegen unbehandelt, wird der gesamte Körperkreislauf negativ beeinflusst – danach das Bindegewebe. Es kommt dort zu pathologischen Veränderungen und am Ende zu Krankheit.

Sie verstehen? Stets geht es darum, das Ungleichgewicht der naturgegebenen Konstitution auszugleichen und ihr wieder in den Urzustand zu verhelfen, der Gesundheit bedeutet.

In den Tiefen des Körpers durchläuft eine Erkrankung einen Entstehungs- und Entwicklungsprozess auch „Samprapti“ genannt, die sogenannte Pathogenese.

Dieser Prozess wird im Ayurveda wie folgt beschrieben:

Phase 1 – Die Akkumulation

Die Doshas haben im menschlichen Körper ihren bevorzugten angestammten Sitz: Vata im Dickdarm, Pitta im Dünndarm und Kapha im Magen. In der Anfangsphase lassen sich Störungen noch am einfachsten behandeln und beseitigen. Ein ayurvedischer Arzt erkennt an Ihrem Puls schon in diesem Stadium vorherrschendes Ungleichgewicht.

Die Vata-Akkumulation zeigt sich in Form von Verstopfung oder auch Blähbauch, was zur Gasbildung im Dickdarm führt.

Akkumuliert sich Pitta, wird das im Bereich des Nabels durch Hitze spürbar. Auch kann sich der Urin leicht dunkelgelb färben oder das Weisse des Augapfels bekommt eine gelbliche Farbe. Auch klassisch: Grosser Hunger führt zu einem starken Verlangen nach Zucker und Süssigkeiten.

Lethargie, Schwere und Appetitlosigkeit hingegen sind typische Kennzeichen einer Kapha-Akkumulation.

Noch ist von guter Gesundheit die Rede, was sich aber schnell ändern kann, wenn ein Dosha verstärkt wird. Die körperliche Intelligenz entwickelt glücklicherweise eine Abneigung gegenüber den verursachenden Faktoren und verlangt nach Entgegengesetztem. So lässt sich das Gleichgewicht schnell wiederherstellen.

Ein Beispiel: Sie haben ein paar Tage lang reichlich Schokolade genossen, was zu einer Kapha-Ansammlung geführt hat. Irgendwann – nach Übersättigung – ist der Gedanke an Schokolade alles andere als verführerisch.
Der Körper verlangt vielmehr nach Deftigem und viel Würze. Das hätte zur Folge, dass der Kapha-Überschuss regelrecht verbrannt werden kann. So einfach kann hier entgegengewirkt werden. Im Grunde ist es ganz simpel, einen Ungleichgewichtszustand nicht weiter zu verstärken und wieder auszugleichen. Hören Sie auf Ihren Körper, der Ihnen sagt, was er braucht und dann auch gut und richtig ist. Fragt sich nur, ob es immer Ihr Körper ist, der zu Ihnen spricht – vielleicht ist es auch nur das Lustzentrum im Gehirn. Verschaffen Sie sich Klarheit!

Der adäquate Umgang mit negativen Gefühlen

Negative Gefühle beeinflussen uns selbst und fügen anderen Menschen möglicherweise Schmerz zu. Das Unterdrücken hingegen bringt uns in Stress und setzt biochemische Prozesse in den Organen und Organsystemen in Gang – bis hin zur Zellebene.

Was also tun? Der Ayurveda hilft auf positive Weise, solche negativen Gefühle aufzulösen, und zwar so, dass wir einen Lerneffekt erfahren. Es funktioniert wie folgt:

Beim Auftreten eines solchen negativen Gefühls setzen Sie sich in Ruhe hin und schauen in sich hinein. Nehmen wir als Beispiel die Wut. Atmen Sie tief und lange ein, spüren Sie dabei bewusst die Wut und atmen Sie lang und vollständig wieder aus. Schämen Sie sich nicht Ihrer Gefühle, sondern lassen Sie ihnen freien Lauf; völlige Freiheit und Entfaltung negativer Gefühle. Atmen Sie direkt in die Wut hinein, um sie anschliessend wieder tief und vollständig entweichen zu lassen. Bleiben Sie geduldig, denn schon bald wird das Gefühl der Wut sie verlassen.

Das Gewahrsein ist diesbezüglich ein wichtiges Schlüsselwort. Es liegt nur allzu häufig auf äusseren Dingen, auf dem was, der Partner oder ein Freund sagt und dann beispielsweise Wut oder auch Enttäuschung zur Folge hat.

Gewahrsein ist der bewusste Verzicht auf Projektionen. Lieber die (Ego) Triebkraft verstehen, als sich deren Untertan zu machen.

Lenken Sie nun gleichzeitig das Gewahrsein auch auf Ihr inneres Selbst. Das vollkommene Verstehen erreichen Sie erst dann, wenn Sie Ihr Gewahrsein gleichermassen nach innen und nach aussen richten.

Gelingt Ihnen das, bleibt Ihr Geist durch dieses negative Gefühl der Wut unbeeinträchtigt. Sie sind sozusagen nur Beobachter. Betrachten Sie jede Emotion, bleiben Sie aber neutral und geben Sie ihr keinen Namen, keine Bedeutung.

Beobachter und Beobachtungsobjekt können nun eins werden. Üben Sie vollkommenes Gewahrsein, trennen Sie Subjekt und Objekt nicht. Sie sind eins mit dem Gefühl. Geben Sie ihm nun die Freiheit, ohne es (negativ) zu bewerten – es ist da und kann nun gehen, mehr nicht. So kann es zunächst in den Mittelpunkt rücken und dann verblassen, ohne Sie negativ zu beeinflussen.

Phase 2 – So entsteht das Übermass

Unberücksichtigt baut sich das akkumulierte Dosha noch weiter auf. Sie füttern den Magen weiterhin mit Kapha, den Dünndarm mit Pitta und den Dickdarm mit Vata. Diese entstehenden Dosha-Ansammlungen können sich von dort ausbreiten und auf andere Körperregionen übergreifen. Überbordendes Kapha strebt nach oben in Richtung Lunge, Pitta hingegen nach unten Magen und Gallenblase; Vata versucht es in Richtung der Flanken.

Diese Entwicklungsstufe von Krankheiten wird für Sie deutlich spürbar. Nach einem reichlichen Kapha-Essen fühlen Sie sich möglicherweise am Morgen danach verstopft und überfüllt. Ihr Plan, an diesem Tag weniger zu essen oder gar zu fasten, gerät ins Wanken, weil Sie jemand zum Mittagessen einladen und Sie erneut zuschlagen.

Das bereuen Sie spätestens am nächsten Tag, wenn Husten oder auch ein Blutandrang in der Lunge dafür sorgen, dass Sie sich krank fühlen. Kapha will nach oben. Pitta sorgt in diesem Stadium für Sodbrennen (Störung der Magensäureproduktion) und/oder Übelkeit. Vata breitet sich aus und führt vielleicht zu Schmerzen in den Flanken oder auch im mittleren Rückenbereich; Kurzatmigkeit ist ebenfalls ein klassisches Kennzeichen.

Der Ayurveda lehrt, dass sich Krankheitsprozesse in jedem Stadium behandeln und umkehren lassen, nur ist das nicht immer einfach. Dafür braucht es aber spezifische Behandlungsansätze. Phase 1 und 2 liegen noch in Ihrer Hand. Lassen Sie Ihren gesunden Menschenverstand walten und tun Sie das, was Ihr Körper Ihnen sagt. Gern können Sie mit bekannten Hausmitteln Unterstützung leisten, um ein Dosha-Übermass wieder auszugleichen.

Erst wenn der Krankheitsprozess den Magen-Darm-Trakt passiert hat und in Phase 3 eintritt, hilft eine Selbstbehandlung möglicherweise nicht mehr. Nun brauchen Sie einen ausgebildeten ayurvedischen Heilkundler.

Der Zusammenhang von Ama, Agni und dem Krankheitsprozess

Das sogenannte biologische Feuer steuert die Transformation der Materie in Energie, sorgt also dafür, dass die Nahrung in ihre Bestandteile zerlegt wird und unserem Energiehaushalt zugutekommt.

Dieses Feuer existiert in 13 Hauptformen. Jatharagni ist der Steuermann im Verdauungsprozess und damit auch zuständig für die Umwandlung (Assimilation) der Nahrung.

Alle weiteren Agnis finden sich in den Zellen, Geweben und Organen wieder. Lokal steuern sie Verdauungs- und Ernährungsprozesse. Über gesundes und robustes Agni verfügend, kann ein Mensch alles essen, was er will. Sein Körper verdaut es problemlos.

Ein Ungleichgewicht der Doshas aufgrund falscher Ernährung oder auch negativer Emotionen hat zuallererst Einfluss auf die Verdauung und damit auf Agni. Ist Agni geschwächt/gestört, leidet der gesamte Verdauungsprozess.

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Unverdaute und nicht absorbierte Nahrungsbestandteile sammeln sich an verschiedenen Körperorten sowie im Magen-Darm-Trakt und wandeln sich in eine klebrige, übelriechende und giftige Substanz namens Ama um.

Sie läutet Phase 3 des Krankheitsprozesses ein – die Ausbreitung. Ama fliesst in weitere Körperkanäle, wie Blut-, Kapillar- und Lymphgefässe und verstopft sie – wie auch die Zellwände.

Ist es schon so weit gekommen, erfährt Prana – die zelluläre Intelligenz – eine Blockade. Im Normalzustand zeigt diese Intelligenz sich zwischen den Zellen äusserst aktiv.

Die wichtigste Ursache für pathologische Zellveränderungen ist die Bewegung der Ama-Moleküle. Das Entfernen von Ama mittels Panchakarma – einer ayurvedischen Reinigungskur – ist eine wichtige Basis, die den Heilungsprozess erst ermöglicht.

Phase 3 – Die Ausbreitung

Bleibt es ohne Gegenmassnahmen, breitet sich ein überbordendes Dosha aus, gelangt in den Blutkreislauf und setzt sich an einem bestimmten Ort fest. Nun reicht ein blosses Entgegenwirken gegenüber den auslösenden Faktoren nicht mehr aus.

Es braucht zunächst ein Reinigungsprogramm, um die Doshas an ihren Stammsitz im Magen-Darm-Trakt zurückzuführen. Nur dann kann das Übermass hinausbefördert bzw. ausgeschieden werden.

Phase 4 – Die Festsetzung oder auch Infiltration

Ein übermächtiges Dosha durchdringt ein Organ, das Körpersystem oder auch Gewebe, die vielleicht aufgrund genetischer Veranlagung, lange aufgestautem emotionalem Stress oder aus anderen Gründen nicht voll funktionsfähig und damit geschwächt sind (das Rauchen etwa schwächt die Lungenfunktion, die Milz beispielsweise leidet unter Völlerei).

Das neuerdings vorherrschende Dosha verwirrt die Intelligenz eines Gewebes und ihrer Zellen, unterdrückt ihre normalen Eigenschaften und geht eine Verbindung ein. Die Folge: Struktur und Funktion nehmen nicht vorgesehene Gestalt an. Der Nährboden für eine Erkrankung ist bereitet, das Samenkorn gelegt.

Zwar wird eine solche Erkrankung an dieser Stelle noch nicht offensichtlich, doch ein erfahrener Arzt enttarnt das bestehende Ungleichgewicht schnell. Sofern Sie ein aufmerksamer Mensch sind, nehmen Sie die unguten Veränderungen an sich ebenfalls wahr. Eine Heilbehandlung ist nun unverzichtbar, da sonst die Krankheit vollständig ausbricht.

Phase 5 – Die Manifestation

Dieses Stadium ist gekennzeichnet von Offensichtlichkeit und bringt negative Veränderungen der Lebensqualität mit sich. Die Krankheit zeigt deutliche Symptome. Gleichgültig, welcher Bereich betroffen ist (Herz, Lunge, Nieren, Leber usw.), der Same geht auf und die Erkrankung manifestiert sich im umgebenden Gewebe.

Phase 6 – Strukturelle Veränderungen aufgrund zellularer Abweichungen

Dieser pathologische Vorgang ist in der letzten Phase angekommen, die Krankheit hat sich vollständig manifestiert. Die Folge: Strukturelle Veränderungen werden offensichtlich und es kommt zu Komplikationen in weiteren Organen, Geweben und Körpersystemen. Das Räderwerk der Erkrankung ist in Gang gesetzt. In diesem Stadium wird die Heilbehandlung am schwierigsten. Ein übermässiges Pitta-Dosha in Phase 5 etwa durchdringt die Magenwände und manifestiert sich als Magengeschwür.

In Phase 6 angekommen ist eine Perforation zu erwarten, die zu Magenblutungen und zur Entwicklung eines Tumors führen kann.

Prävention ist die Basis zur Erhaltung Ihrer Gesundheit

Es ist viel einfacher, das Dosha-Gleichgewicht im frühen Stadium wiederherzustellen und damit die normalen Funktionen, als in einer späteren Phase. Aus diesem Grund legt der Ayurveda grossen Wert auf Prävention – also Vorbeugung – welche der Erhaltung der Gesundheit dient. Bleiben Sie unter Berücksichtigung der Phasen 1 – 6 stets aufmerksam – Ihrer Gesundheit und damit Ihrer Befindlichkeit/Ihrer Lebensqualität zuliebe.

Gesundheit ist das, was die Natur für uns von der Zeugung an vorgesehen hat. Sowohl Gesundheit als auch Krankheit können als Prozesse angesehen werden.

Aufgrund entsprechender Verhaltensweisen werden sie durchlaufen und führen zu einem positiven oder auch negativen Ergebnis.

Während die abnormen Bewegungen/Verstärkungen der Doshas zu Krankheit führen, ist Gesundheit das Ergebnis eines Dosha-Gleichgewichtes, das stets aufs Neue anzustreben ist.

Unsere Aufgabe ist es, Körper, Seele und Geist das zu geben, was sie Gesunderhaltung brauchen. Der wichtigste Schlüssel ist das Gewahrsein, die Achtsamkeit und Aufmerksamkeit für sich und sein Leben.

Bleiben Sie wachsam/achtsam/aufmerksam und beobachten Sie, welche Reaktionen Situationsveränderungen in Ihrem Körper, Ihrem Geist oder auch Ihren Emotionen hervorrufen. Lernen Sie Ihre ureigene Konstitution kennen und einschätzen; erkennen Sie die Chance, in jedem Augenblick Ihres Lebens Entscheidungen zugunsten Ihrer Gesundheit zu treffen. Die Gefahr einer Erkrankung reduziert sich dann auf ein Minimum.

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