Gesundheit und Krankheit aus Ayurveda Sicht

Deine Gesundheit nach ayurvedischem Verständnis

Gesundheit wird uns in der Regel von Geburt an mitgegeben. Als Lebensgrundlage öffnet sie uns die Welt. Krankheit hingegen bedeutet eine massive Beeinträchtigung und kostet viel Energie. Was genau aber bedeutet Gesundheit im Detail? Wie stellt sich Krankheit dar? Was können wir selbst tun, um den Urzustand der Gesundheit wiederherzustellen oder Krankheiten zu vermeiden?

Die Schulmedizin macht es sich oft leicht. Der Satz „Sie sollten sich mehr bewegen, besser ernähren und übermässigen Stress vermeiden“ gehört seit Jahrzehnten zum Repertoire der gutgemeinten ärztlichen Ratschläge. Ist eine Erkrankung erst einmal ausgebrochen, werden hier häufig nur die Symptome behandelt. Die eigentlichen Ursachen aber bleiben im Dunkeln. Mit Gesundheit hat das nicht mehr viel zu tun. Dabei ist es gar nicht so schwer, jeden Menschen individuell zu betrachten und zu hinterfragen, warum sich eine bestimmte Krankheit gerade bei ihm manifestieren konnte. Denn so gehen ganzheitliche Mediziner vor und auch im Ayurveda wird die Einzelperson in Ihrer Gesamtheit angesehen und nicht vordergründig die Krankheit bzw. die auftretenden Symptome.

Seit mehr als 5‘000 Jahren beschäftigt sich der Ayurveda mit den eingangs gestellten Fragen zur Bedeutung der Begriffe „Gesundheit“ und „Krankheit“. So viel vorweg:

der Ayurveda ist eine Gesundheitsmedizin und damit eine Frohmedizin.

Der Ayurveda hat Antworten auf viele Fragen zum Thema Gesundheit

Die Antworten des Ayurveda stammen aus einer Vielzahl tiefer Einsichten und praktischer Erfahrungen – die Summe vieler Generationen. Schon unzählige Menschen konnten mithilfe dieser alten – und dennoch aktuellen – indischen Heilkunst die Entfaltung von Erkrankungen verhindern oder sie gar heilen, wenn der Ausbruch bereits erfolgt ist.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns zunächst mit dem ayurvedischen Gesundheitsverständnis, welches sich vom allgemeingültigen unterscheiden mag. Danach erfahren Sie mehr über zehn potenzielle Krankheitsursachen und welche Möglichkeiten sich Ihnen anbieten, um diesen entgegenzutreten. Denn: Erst das Bewusstsein um die gesundheitserhaltenden/-wiederherstellenden Faktoren (oder auch um das, was uns krank macht) ermöglicht uns eine Lebensgestaltung, die dem gesundheitlichen Gleichgewicht (Homöostase) zuträglich ist.

Auch die ayurvedische Sicht, die sich mit der Entstehung von Krankheiten befasst, wird Teil dieses Beitrages sein.

Im Ayurveda ist Gesundheit nicht gleichzusetzen mit der Abwesenheit von Krankheit. Vielmehr ist hier die Rede von einer Balance zwischen Körper, Geist und Bewusstsein – für optimale Energie und ein unnachahmliches Lebensgefühl.

Näher betrachtet, handelt es sich um einen ausgewogenen Zustand zwischen

  1. den drei Doshas (Vata, Pitta und Kapha)
  2. den sieben Geweben (Dhatus)
  3. den drei Ausscheidungsprodukten (Malas) sowie
  4. dem sogenannten Verdauungsfeuer (Agni)

Die angestrebte Balance beinhaltet jedoch auch die Klarheit der Sinne, des Geistes und der Seele. Ein Ungleichgewicht zwischen Vata, Pitta und Kapha bereitet hingegen den idealen Nährboden für Erkrankungen.

Die grundlegenden Körpergewebe (Dhatus) stehen für die gesamte Körperstruktur, welche für die Funktionsfähigkeit der Organe und Systeme verantwortlich gemacht wird. Sie spielen die wichtigste Rolle in der Ernährung und der Entwicklung des Organismus und folgen – exakt in der nachstehenden Reihenfolge – einem sinnvollen Ablauf:

  1. Rasa (Plasma oder Zytoplasma): Aus verdauter Nahrung gewonnene Nährstoffe versorgen ihrerseits sämtliche Gewebe, Organe und Organsysteme
  2. Rakta (Blut): Der Lebenssaft versorgt zur Erhaltung der Vitalfunktion sämtliche Organe und Gewebe mit dem nötigen Sauerstoff
  3. Mamsa (Muskeln): Einerseits Hülle für die empfindlichen, lebenswichtigen Organe, ermöglichen die Muskeln aber auch die Bewegung der Gelenke. Zudem liegt in ihnen die Körperkraft
  4. Meda (Fett): Fett schützt den Organismus vor Überhitzung, erhält gleichzeitig aber auch die Geschmeidigkeit der einzelnen Körpergewebe
  5. Asthi (Knochen und Knorpel): Unterstützung der Körperstruktur für einen aufrechten Gang
  6. Majja (Knochenmark und Nerven): Majja füllt die Hohlräume der Knochen und übermittelt gleichzeitig motorische sowie sensorische Impulse. So bleibt die lebensnotwendige Kommunikation zwischen den Zellen und den Körperorganen gewährleistet
  7. Shukra und Artava (männliche und. weibliche Fortpflanzungsorgane): Sitz der Reinessenz aller Körpergewebe; sie sind in der Lage, neues Leben zu schaffen.

Der Gesundheitszustand eines Menschen ist nur dann gut, wenn alle sieben Dhatus optimal entwickelt sind und sie ihrer Funktion einwandfrei nachkommen können. Dabei steht jedes Dhatu in Abhängigkeit vom vorherigen. Nährstoffe in ihrer Rohform sind noch ungeeignet für den Organismus. Würde die erwähnte Reihenfolge nicht eingehalten, käme es zu einer Minderversorgung der Dhatus, was zu Mangelzuständen in Geweben und Organsystemen führen würde.

Die Malas stehen für die drei Körper-Abfallprodukte Stuhl, Urin und Schweiss. Aufgrund der zugeführten Nahrung – wozu auch Flüssiges zählt – müssen sie in angemessenen Mengen im Stoffwechsel produziert und durch die bekannten Kanäle entsorgt werden.

Agni steht für das biologische, d. h. das Verdauungsfeuer – auch Hitze-Energie genannt. Den Stoffwechsel bestimmend wird Agni im Ayurveda mit Verdauungsenzymen und Stoffwechselprozessen in Verbindung gebracht (Aufschliessen, Verdauen, Absorbieren und Assimilieren der Nahrung). Einerseits für die Nährstoffversorgung der Gewebe zuständig, wacht das Verdauungsfeuer aber auch über das Immunsystem. Es zerstört Mikroorganismen, wie etwa von aussen in den Verdauungsapparat eingedrungene Giftstoffe bzw. Bakterien. Leben und Vitalität sind nur durch Agni möglich. Gutes Verdauungsfeuer steht stellvertretend für langes Leben bei bester Gesundheit. Beeinträchtigungen hingegen – das Ungleichgewicht der Doshas – bringen nachteilige Auswirkungen für den Stoffwechsel mit sich. Widerstandskraft und Immunabwehr lassen nach und Betroffene fühlen sich krank.

Für die Gesundheit spielen neben körperlichen Faktoren auch die geistigen und seelischen eine wichtige Rolle. Ihr Gleichgewicht lässt einen Zustand erwachsen, der im Ayurveda als „vollkommen glücklich in sich selbst“ definiert wird – kurz Swastha. Erreicht werden kann dieser Zustand durch eine Lebensweise, die im Einklang mit der Natur steht, aber auch die Erfordernisse der eigenen Konstitution berücksichtigt. Das bedeutet: adäquate Ernährung, bereichernde zwischenmenschliche Beziehungen sowie ein regelmässiger Lebensstil. Andernfalls breitet sich hier die Wurzel allen Übels aus und führt zu Krankheit.

Anmerkung aus der westlichen Welt

All dies kommt uns bekannt vor – geben wir es doch zu: kurze Nächte, lange Arbeitstage, Stress, mangelnde Bewegung oder zu anstrengender Sport, ungesunde Ernährung, fehlende zwischenmenschliche Beziehungen aufgrund von Zeitmangel, Einsamkeit usw. Einzig die passenden klangvollen, aber treffenden Bezeichnungen für die gesundheitlichen Auswirkungen fehlen in unserem westlichen Wortschatz. Die Schulmedizin mit ihrer nüchternen Ausdrucksweise steht bei den Folgen eines ungesunden Lebensstils keineswegs mehr vor einem Rätsel. Dennoch präsentiert sie Betroffenen häufig nur eine symptomorientierte Lösung in Form von Medikamenten. Fraglich, ob die Damen und Herren Ärzte der klassischen Medizin sich selbst so behandeln würden. Der Ayurveda übernimmt an dieser Stelle eine Vorbildfunktion, da sie den ganzen Menschen ansieht.

10 Prinzipien mit Entscheidungsbefugnis über Gesundheit oder Krankheit

Dr. Vasant Lad – Schulmediziner und Ayurveda-Arzt in Indien – schreibt: „Die Ursache ist die verborgene Wirkung und die Wirkung ist die offenbarte Ursache.“ Ein wenig verwirrend, doch machen Sie sich bewusst, dass Krankheiten keinesfalls plötzlich auftreten. Sie folgen vielmehr einem Entwicklungsprozess. Der Zusammenhang zwischen den Faktoren, die Einfluss auf uns haben, und ihren Wirkungen, die sie hervorrufen, ist nicht zu übersehen.

Nimmt man zum besseren Verständnis des letzten Abschnittes das Samenkorn eines Baumes, aus dem sich ein kraftvoller und gesunder Baum entwickelt, kann von einer gesunden Umgebung und einer ebensolchen Lebensweise ausgegangen werden. Das Potenzial des Samenkorns zeigt sich letztendlich im Ergebnis einen gesunden Baum. Krankheit hingegen visualisiert das Potenzial eines geschädigten und kraftlosen Samenkorns. Der „Lebens“baum gründet auf gesundheitsschädlichen Gewohnheiten und damit auf Schwäche und Anfälligkeit.

Die Charaka-Samhita erklärt den ganzheitlichen Ansatz der ayurvedischen Medizin. Demnach sollte neben dem Erkrankten auch seine Umgebung untersucht werden. Erst dann kann die Krankheit samt ihren Ursachen verstanden werden. Berücksichtigt werden dabei auch Herkunft und Umgebung, in der der Betroffene aufgewachsen ist, das Klima, die Sitten und Gebräuche, typische lokale Erkrankungen, Ernährung, Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen. Auch seine Kraft, sein geistiger Zustand und alles, was ihn als Individuum ausmacht, zählen dazu.

Gesundfaktor 1 – Gleiches verstärkt Gleiches

Ein Dosha erfährt mittels ihm ähnlicher Einflüsse/Erfahrungen Verstärkung, z. B. Nahrung, Witterung oder auch Jahreszeiten.

Vata etwa wird durch trockene Nahrung verstärkt, wozu auch getrocknete Früchte zählen, sowie durch Laufen, Springen, Joggen, Hast und überhöhte Arbeitsbelastung.

Stark gewürzte Speisen, Zitrusfrüchte, fermentierte Nahrung und eine feucht-heisse Witterung sind für ein Überborden von Pitta verantwortlich.

Kapha hingegen nimmt durch kalte, wolkige und feuchte Witterung zu, wie auch durch den Konsum von Milchprodukten, Weizen und Fleisch. Auch langes und untätiges Herumsitzen kommt ausschliesslich Kapha zugute.

Sicher ist es für Sie leicht nachvollziehbar, dass es für das Prinzip „Gleiches stärkt Gleiches“ nur ein Gegenmittel gibt: den Gegensatz. Entgegengesetzte Eigenschaften gleichen aus und schwächen ab. So kehren Sie zu Ihrer eigenen Konstitution zurück. Für den Ayurveda ist dies der Schlüssel zur Heilung.

Gesundfaktor 2 – Ernährungsgewohnheiten und Nahrungsmittel

Mit einer gesunden, Ihrer persönlichen Konstitution angepassten Ernährung tun Sie einen weiteren Schritt in Richtung Gesundheit. Dementsprechend führt eine falsche Ernährung unweigerlich zu einer Reihe von möglichen Gesundheitsproblemen, wie etwa schlechte Verdauung und verstärkte Anfälligkeit für Erkrankungen.

Verzichten Sie auf unzuträgliche Nahrungsmittelkombinationen. Ein Beispiel: Milch verträgt sich nicht mit Bananen, Joghurt, Melonen, Fisch, saurem Obst, Kitchari (Mung-Dal kombiniert mit Basmatireis) und Brot mit Hefe. Wer schwach wird, riskiert die Entwicklung von Ungleichgewichtszuständen. Gleiches gilt für hastiges oder spätabendliches Essen, zu alte Speisen oder auch Nahrungsmittel, die chemische Zusatzstoffe enthalten.

Die Kombination von Nahrungsmitteln spielt eine überaus wichtige Rolle. Die untenstehende Tabelle gibt – vollkommen unabhängig von der Konstitution – Aufschluss über grundsätzlich ungünstige Nahrungsmittelkombinationen.

Lebensmittelunverträglichkeiten

Überprüfen Sie anhand der unteren Tabelle Ihre Vorlieben und Gewohnheiten. Vermeiden Sie möglichst Mixgetränke, wie etwa Bananen-Milchshakes. Für diverse Mixgetränke – nur aus Früchten bestehend – gibt es keine Bedenken. Salate, die sich aus unterschiedlichen Obstsorten zusammensetzen, sollten Sie vermeiden. Legen Sie am besten stets diese Tabelle der Unverträglichkeiten zugrunde.

Milch verträgt sich nicht mit..

Bananen, Joghurt, Fisch, saurem Obst, melonen, Kitchari (Mung Dal mit Basmatireis), Brot mit Hefe.

Lebensmittel Milch verträgt sich nicht mit
Joghurt verträgt sich nicht mit..

Milch, saurem Obst, Mango (auch Mango-Lassi), Melonen, Heissgetränken (auch Tee/Kaffee), Fisch, Käse, Bananen, Stärke (Maisstärke, Maizena etc.)

Lebensmittel Milch verträgt sich nicht mit
Melone verträgt sich nicht mit..

allem; bitte besonders Getreide, Stärke, Frittiertes und Käse in Kombination vermeiden; am besten getrennt essen.

Melone verträgt sich nicht mit
Eier vertragen sich nicht mit..

Milch, Kartoffeln, Käse, Melonen, Joghurt und Obst. Der ‚Schweizer Zopf am Sonntag‚ ist also schwer verdaulich!

Eier vertragen sich nicht mit
Stärke verträgt sich nicht mit..

Bananen, Milch, Eier und Datteln.

Stärke verträgt sich nicht mit
Honig verträgt sich nicht mit..

Ghee (in identischer Gewichtsmenge), Getreide.
Honig bitte niemals kochen! Nicht über 40 Grad erwärmen.

Honig verträgt sich nicht mit
Mais verträgt sich nicht mit..

Bananen, Rosinen und Datteln.

Mais verträgt sich nicht mit
Zitronen vertragen sich nicht mit..

Tomaten, Gurken, Joghurt und Milch.

Zitronen vertragen sich nicht mit..
Nachtschattengewächs verträgt sich nicht mit..

Gurken, Melonen, Joghurt und Milch.
(Nachtschattengewächs: Auberginen, Tomaten, Kartoffeln)

Nachtschattengewächs vertragen sich nicht mit

Dieses Kapitel gibt nur einen kleinen Einblick über den Einfluss der Nahrung auf das Gleichgewicht der Doshas. Zeigen Sie sich sensibel für Ihre eigenen und echten Bedürfnisse. Finden Sie heraus, wie Ihre angeborene Konstitution aussieht. Auf unserer Website finden Sie einen Dosha-Test, ähnlich dem im 1. Teil unserer Serie „Einführung in Ayurveda“.

Gesundfaktor 3 - Jahreszeitengerecht = doshagerecht

Jeder Jahreszeit wird gezielt ein Dosha zugeordnet. Beispielsweise überwiegt der Vata-Charakter im windigen, kühlen und trockenen Herbst. Typisch für Kapha ist der Winter, der mit Dunkelheit, Schwere, Feuchtigkeit und Wolkenbildung in Verbindung gebracht wird. Der beginnende Frühling zählt noch mit hinzu. Sobald die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, treten die Pitta-Eigenschaften in den Vordergrund, welche im Sommer zur vollen Entfaltung kommen.

Jede Jahreszeit bringt aber auch typische Gesundheitsgefahren mit sich. Ein gerade vorherrschendes Dosha wird dann zusätzlich verstärkt, was bei Menschen mit entsprechender Konstitution zu einem Übermass führen kann. Sofern Sie sich achtsam verhalten, können Sie die Entwicklung solcher Zustände verhindern.

Ein Beispiel: Herbst und Winter verstärken Vata. Personen, deren Konstitution von diesem Dosha angeführt wird, sollten in dieser Zeit warme Kleidung tragen und ebenfalls wärmende Nahrung zu sich nehmen, während sie auf Kaltes besser verzichten. Ansonsten kann es zu typischen Vata-Beschwerden bzw. -Erkrankungen kommen, welche sich beispielsweise in Schlaflosigkeit, Schmerzen im unteren Rücken, Verstopfung usw. ausdrücken.

Wer sich als Pitta-Mensch im Sommer starker Hitze aussetzt, intensives Körpertraining betreibt und stark gewürzte Nahrung ist, muss verstärkt mit Wutgefühlen, Ausschlag und Durchfall rechnen.

Erkältungen, Husten, Allergien und Nebenhöhleninfektionen sind typische Folgen bei Kapha-Menschen im Winter bis hin zum Frühlingsbeginn.

Gesundfaktor 4 - Adäquates Körpertraining

Das körperliche Training kann sich sowohl positiv als auch negativ auf die Gesundheit auswirken. Sicher wissen Sie um die positiven Folgen für Herz, Lunge, Entspannung, Schlaf, Kraft, Ausdauer und Verdauung. Zudem hilft es, das Körpergewicht zu vermindern oder zu halten. Auch der Geist reagiert mit Klarheit und Wachheit.

Zu viel oder auch zu wenig Sport kann aber genauso viel Schaden anrichten, wie eine Sportart, die für die Konstitution eines Menschen nicht geeignet ist. In diesem Fall kann Krankheit die logische Folge sein. Der völlige Verzicht darauf hingegen bereitet den idealen Nährboden für Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Osteoporose und diverse Herzerkrankungen.

Yoga und einige Aerobic-Übungen eignen sich grundsätzlich für alle Körpertypen, sollten aber der jeweiligen Konstitution entsprechend in Dauer und Intensität angepasst werden. Während Kapha-Menschen sich gern richtig auspowern dürfen, sollten Pittas sich mit mässig anstrengenden Übungen zufriedengeben. Vatas nehmen sich besser noch mehr zurück und greifen auf ein leichtes Training zurück.

Dies sind nur einige von vielen Hinweisen im Hinblick auf sportliche Betätigungen. Auch hier gilt: Wer entgegen seiner Konstitution handelt, muss mit Krankheit und Unwohlsein rechnen.

Gesundfaktor 5 - Das Alter berücksichtigen

Die Lebenszeit eines Menschen unterteilt sich in drei Abschnitte und in jedem einzelnen übernimmt ein Dosha die Führungsposition:

  • Kindheit = Kapha-Zeit
  • Erwachsenenalter = Pitta-Zeit
  • Alter = Vata-Zeit

Der kindliche Körper ist geschmeidig und weich, was typische Kapha-Eigenschaften sind. Die kleinste menschliche Ausgabe ist anfällig für Kapha-Erkrankungen wie etwa Erkältungen.

Ins Erwachsenenalter eintretend rücken die Pitta-Eigenschaften ins Zentrum, was beispielsweise mit zunehmendem beruflichem Ehrgeiz und Aggressionen deutlich wird. Auf harte Arbeit, wenig Schlaf und viel Stress folgen häufig Erkrankungen wie Magen-Darm-Geschwüre, Gastritis und Kolitis.

Ist das Alter erreicht, wird der Schlaf häufig unterbrochen und/oder die Schlafdauer verringert sich. Körperlich brechen sich gern Verstopfung und degenerative Krankheiten (rheumatoide Arthritis, Alzheimer, Parkinson) die Bahn.

Hier wird deutlich, dass wir unserem Alter entsprechend Massnahmen ergreifen müssen, um unsere Doshas positiv zu beeinflussen. Was an Jahren zunimmt, sollte gleichermassen an Anstrengung gemindert werden. Anstrengende Körperübungen etwa oder das viele Herumreisen in der Welt sind nichts für ältere Menschen bzw. für die Vata-Zeit. Achten Sie auf ausgleichende Nahrung, die sich vorwiegend aus warmen, feuchten und öligen Speisen zusammensetzen sollten. Trockene Nahrung und Salate hingegen werden besser nur selten Bestandteil des Menüs.

Gesundfaktor 6 - Geist und Psyche

Gesundheit und Krankheit können sowohl physische als auch psychische Ursachen haben. Krankheiten können sich auch im Geist und in den Emotionen entwickeln. Körperlich hervortretend spricht die Schulmedizin hier von Psychosomatik. Das geistige Ungleichgewicht bringt das körperliche Gleichgewicht ebenfalls ins Wanken. All das berücksichtigend, ist die ayurvedische Medizin eine ganzheitliche, für die Körper und Geist eine Einheit bildet.

Alle Gefühlsregungen und Gedanken rufen eine biochemische Reaktion hervor und beeinflussen die Doshas. Dieser Einfluss wiederum wirkt sich auf Organe, Gewebe und Zellen aus. Wut, Angst, Trauer, Neid, Hass, Gier und andere negativen Gefühle stören das empfindliche Dosha-Gleichgewicht. Den einzelnen Doshas werden die folgenden Eigenschaften/Gefühle zugeordnet:

  • Der Vata-Überhang wird mit Angst, Unsicherheit, Nervosität, Furcht, Verwirrung, Ruhelosigkeit und Traurigkeit assoziiert
  • Ein Zuviel an Pitta zieht Wut, Neid, Ehrgeiz, Hass, Kritiksucht, Perfektionismus, Verurteilung und Kontrollbedürfnis nach sich
  • Gier, Besitzstreben, Langeweile, Faulheit, Lethargie und das Festhalten an Personen und Dingen sind typisch für das Kapha-Übermass.

Im Ayurveda weiss man, dass Emotionen sich ganz gezielt auf bestimmte Organe auswirken. Traurigkeit macht sich in Herz und Lunge bemerkbar, Wut schlägt auf die Leber und Hass stört die Funktion der Gallenblase. Die Angst sitzt in den Nieren und die Nervosität wird im Dickdarm spürbar; Erregung und Versuchung bewohnen und stören die Magengegend.

Emotionen sind nichts anderes als – Reaktionen – auf bestimmte Situationen!

Wird eine Emotion von ihrem Beginn an nicht wahrgenommen und irgendwann aufgelöst, hat das negative Folgen für unsere Organe. Die Folge: Stress und Schwächezustände erzeugen Khavaigunya („unzulänglicher Raum“), d. h. eine Krankheit könnte sich manifestieren.

Gesundfaktor 7 - Stressmanagement

Das schulmedizinische und das ayurvedische Verständnis für Stress unterscheiden sich ganz erheblich voneinander.

Während die moderne Medizin den Begriff mit Überarbeitung, emotionalen Traumata und dergleichen in Verbindung bringt, versteht der Ayurveda ihn nicht als Zustand oder Resultat von etwas. Vielmehr wird Stress als möglicher Faktor wahrgenommen, der Krankheiten herbeiführen kann.

Das Mass an Stärke und Gesundheit nährt sich vom Befolgen bestimmter Gesundheitsregeln, die stets die Doshas im Blick haben. Diese Regeln umfassen eine angepasste Ernährung, positive Gefühle sowie gute/liebevolle Beziehungen.

Für die Konstitution ungeeignete Nahrung, das abendliche lange Aufbleiben, häufiges Herumreisen, eine Überbeanspruchung der Sinne, das Unterdrücken negativer Emotionen sowie das Aufrechterhalten unguter, liebloser Beziehungen hingegen tun uns nicht gut und erzeugen Stress. Dazu gesellen sich gern noch Giftstoffe aus Nahrungsmitteln und Wasser, die Luftverschmutzung, übermässiger Lärm und viele weitere Umweltfaktoren. Wir leiden!

Stress kann Allergien, Asthma, Herpes, Herzerkrankungen und vieles mehr auslösen und darf damit als einer der wichtigsten Ursachen für Krankheiten angesehen werden (nicht nur im Ayurveda). Ein Ungleichgewicht der Doshas ist dann die logische folgen. Nicht selten entwickeln Vata-Menschen typische Vata-Störungen wie Angst und Furchtsamkeit. Die Stressreaktion von Pitta-Menschen zeigt sich häufig in Wut und damit leider allzu oft auch in Bluthochdruck, Magen-Darm-Geschwüren usw. Stressgeplagte Kapha-Menschen erkennt man häufig an ihrem Übergewicht, da sie grosse Mengen an Nahrungsmitteln verschlingen können.

Gesundfaktor 9 - Den Impuls des Augenblicks hinterfragen

Oftmals kann sich eine Krankheit entwickeln, weil wir wider besseres Wissen handeln.

Die Kenntnis um unsere eigene, individuelle psychobiologische Konstitution gibt uns wichtige Gesundheitsparameter an die Hand. Wenn wir wissen, welche Nahrungsmittel dem Gleichgewicht unserer Doshas zuträglich sind und welche eher schaden, sollten wir das stets in unserer Ernährung berücksichtigen. Dem Impuls des Augenblicks folgend, tun wir jedoch mitunter das Gegenteil von dem, was unserer Konstitution zuträglich ist.

Aus purer Lust heraus konsumieren wir Lebensmittel und tun Dinge, die Probleme verursachen.

Dr. Vasant Lad schreibt dazu in seinem Buch „Selbstheilung mit Ayurveda“ (Zitat): „Als Individuen sind wir alle Teil des Kosmischen Bewusstseins, jener universellen Intelligenz, die die gesamte Natur so wunderbar organisiert. Diese Intelligenz ist in uns, und indem wir den über Jahrtausende erprobten Prinzipien des Ayurveda folgen und das beherzigen, was unsere Intuition und unsere innere Weisheit uns nahelegen, können wir unser Leben im Einklang mit diesen Prinzipien gestalten.“

Gesundfaktor 10 - Gute und liebevolle Beziehungen

Beziehungen gibt es nicht nur zwischen Menschen. Wir alle haben eine bestimmte Beziehung zur Erde, zur Sonne, zum Mond, zur Luft, zum Wasser, zur Nahrung, zum eigenen Körper, zu den Gedanken und Gefühlen usw. Nicht zu vergessen sind hier vor allem die Beziehungen zu anderen Menschen, wie Eltern, Kindern, Ehe-/Lebenspartnern, Arbeitskollegen. Unser Alltag spiegelt ununterbrochen unsere Beziehungen wider. Ob gut oder schlecht, gewollt oder ungewollt spielt zunächst nur eine untergeordnete Rolle.

Kommt in einer Beziehung Zwang mit ins Spiel, dann entwickelt sich ein schlechter Nährboden. Wer persönliche Beziehungen dazu nutzt, um anderen eigene Vorstellungen aufzuzwingen, ruft Abneigung hervor. Die Folgen (auf beiden Seiten): Unmut, Wut, Angst usw.

Stellen Sie Ihre Beziehungen auf den Prüfstand. Wo finden Verletzungen statt? Was sagen in dem Moment Ihre Gedanken und Gefühle aus? Bleiben Sie dabei ehrlich und beschönigen Sie nichts. Erst dann kann sich daraus ein Bild der Klarheit ergeben. Unterdrückte Gefühle und versiegende Kommunikation sind ein deutliches Zeichen dafür, dass es an der nötigen Klarheit fehlt. Die Folge: Stress – der Wegbereiter für viele Erkrankungen. Die biochemischen Körperprozesse geraten aus dem Gleichgewicht und mit ihnen auch die Doshas.

Alle Beziehungen sollten auf Klarheit basieren. Dann hat Mitgefühl – mit der Liebe im Gefolge – die Chance, sich zu entwickeln. Sie wissen: Liebe ist der geheime Schlüssel zu erfüllten/erfüllenden Beziehungen.

Rückblick auf 10 Gesundfaktoren

Haben Sie sich an einer oder auch mehreren Stelle/n wiedergefunden? Ist Ihnen klar geworden, dass die 10 Gesundfaktoren einen erheblichen Einfluss auf das Gleichgewicht oder auch Ungleichgewicht der Doshas ausüben? Selbst etwas so unwichtig und unvermeidbar Scheinendes wie das Wetter bzw. die Jahreszeiten haben grosse Bedeutung für unser aller Gesundheit.

Diese 10 Gesundfaktoren bieten Lösungen an, die im Nachhinein nur allzu nachvollziehbar sind. Ist es kalt, können Sie sich warm anziehen, bei Hitze etwa meiden Sie die Sonne sowie grössere Anstrengungen usw.

Achtsamkeit ist – wie überall im Leben – auch in der Gesundheit sowie zur Vermeidung von Krankheit ein wichtiger Schlüssel, den wir nicht verlieren sollten!

Weitere Informationen finden sie auch bei:

Ayurveda Verband: Gesundheit und Krankheit

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